Mathias Döpfner stellt in der FAZ gute Fragen

Mathias Döpfner hat in der FAZ einen lesenswerten offenen Brief an Google veröffentlicht – http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/mathias-doepfner-warum-wir-google-fuerchten-12897463.html

Er stellt einige wichtige Punkte fest und dabei auch einige sehr richtige Fragen.

Ich sehe nicht ganz die „Enteignung“ der armen Verlage durch die Snippets in z.B. Google News. Mathias Döpfner stellt ja selbst fest, dass die Verlage von dem Traffic abhängig sind, den Google nicht zuletzt auf diese Weise ihren Seiten zuleitet. Und mangels präziser Angaben, wird das LSR vermutlich noch viele Gerichte beschäftigen (und Anwälten gutes Geld bringen).

Doch in anderen Punkten kann ich nur zustimmen:

  • „Wer nichts zu verbergen hat nichts zu befürchten“ ist eine gefährliche Einstellung.
  • Das digitale Geschäft der Verlage ist von Google so abhängig, dass diese mit Google zusammenarbeiten müssen. „Auslisten“ ist keine Option mehr.
  • Google sammelt so viele Informationen über jeden einzelnen auf so vielen verschiedenen Wegen, dass man dem kaum mehr entkommen kann und „Big Brother“ im Vergleich völlig ahnungslos erscheint.
  • Änderungen an Googles Suchalgorithmen kann Unternehmen (insbesondere im digitalen Bereich) in den Ruin treiben

Google wird mehr und mehr zur politischen Macht. Wenn Google eine Seite aus seinem Index wirft, wird diese kaum mehr gefunden und eine (potentiell) dort geäußerte politische Meinung damit faktisch bedeutungslos. Googles „Safe Search“ folgt einem bestimmten Weltbild, was denn nun „Safe“ ist, und was nicht – und beeinflusst damit (bewusst oder unbewusst) die Wahrnehmung von richtig und falsch.

Und wenn ein derart mächtiger Konzern dann Schiffe als „Firmengebäude“ (Firmensitz?!?) plant, die in internationalen Gewässern kreuzen können, um – zumindest kann man das so deuten – „Dinge, die wir gern machen würden, aber leider nicht tun können, weil sie illegal sind“ (Larry Page), dann sollte man schon stutzig werden. Das Zitat von Larry Page im ganzen:

Es gibt eine Menge Dinge, die wir gern machen würden, aber leider nicht tun können, weil sie illegal sind, weil es Gesetze gibt, die sie verbieten. Wir sollten ein paar Orte haben, wo wir sicher sind. Wo wir neue Dinge ausprobieren und herausfinden können, welche Auswirkungen sie auf die Gesellschaft haben.

Daraus spricht ein etwas seltsames Rechtsverständnis. Und mich persönlich macht auch eine Aussage wie „neue Dinge ausprobieren und herausfinden können, welche Auswirkungen sie auf die Gesellschaft haben“ extrem nervös. Das klingt sehr hemdsärmelig, nach dem Motte „mal versuchen, dann sehen wir schon was passiert“. Eine solche Einstellung ist vielleicht beim entwickeln eines Computerprogramms (vor allem auf einem abgekoppelten Testsystem) in Ordnung.

Aber die Gesellschaft kann man nicht notfalls einfach mal rebooten!

Niemand muss mit Herrn Döpfner einer Meinung sein. Aber mal lesen und drüber nachdenken, das empfehle ich sehr!

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