Wer im Baum den Buttplug erkennt, sollte über sich selbst nachdenken.

In Paris steht ein „Kunstwerk“ von Paul McCarthy. Das Kunstwerk heißt „Tree“ und ist ein grünes, aufgeblasenes Objekt, das durchaus die abstrakte Form eines Tannenbaumes hat. Manche Leute erinnert das ganze auch an alte Brettspielfiguren oder simples Holzspielzeug, das mit stark vereinfachten Formen arbeitet. In der Grundform ist die „Ostheimer Tanne“ zum Beispiel gar nicht weit weg von dem genannten Objekt in Paris.

Nun gibt es Menschen, die haben eine etwas anders gelagerte Phantasie und sehen darin einen „Buttplug“. Auch diese interpretation lässt sich legitim aus der sichtbaren Form ableiten, das will ich in keiner Weise bestreiten. Wenn man das so sehen will, kann man das so sehen.

Allerdings gibt es auch Menschen, die denken, „wenn ich das so sehe, sehen das bestimt alle anderen auch so“. Weitere Gedanken sind in der Folge „was sollen nur die Leute denken“ und „was, wenn Kinder das sehen?“ – also in ihrer Welt den Buttplug, nicht den Baum. In der Folge hat jemand, der das ekelhaft fand, dem Kunstbaum die Luft rausgelassen.Nun zeigt die Formulierung der Überschrift in dem Artikel bereits, dass diese Interpretation eine gewisse Verbreitung hat. Da liest man dann so Zitate wie

Die konservativ-christlichen Bewegung Printemps Français klagte auf Twitter sogar, Paris sei gedemütigt worden.

Durch einen Baum??? Nur damit wir das an dieser stelle noch einmal Klarstellen: Die Skulptur heißt „Tree“, das ist das englische Wort für „Baum“. Wenn jemand darin einen Buttplug sieht, hat das primär etwas mit seiner eigenen (schmutzigen) Phantasie zu tun. Wenn ich dann unter dem Artikel Kommentare lese in denen steht

Ich bezeichne mich bei weitem nicht als Prüde, würde aber auch gegen so etwas vorgehen. […] aus einem guten Grund: Minderjährige. […] die ganz kleinen. Die dann fragen „Was ist das da?“ und erklären Sie denen mal was ein Anal Plugin ist.

Warum sollte ich das bei dem genannten Objekt einem Kind erklären? Ich würde einfach sagen: „Das ist ein aufgeblasener Baum, wie ein Luftballon, nur größer.“Und das Kind würde vermutlich nicken, und dann gehen wir weiter.

2 Gedanken zu „Wer im Baum den Buttplug erkennt, sollte über sich selbst nachdenken.“

  1. Naja, die Doppeldeutigkeit mit dem Buttplug ist aber vom Künstler gewollt. Und den vergleich mit der Ostheimer Tanne ist ja wohl auch übertrieben.
    Wenigstens den Stamm hätte McCarthy in Braun machen können.

    Ich kann in dem Werk aufjedenfall keine Tanne erkennen, ich dachte zuerst auch an Buttplug, dann an Spielfiguren.

    Peinlich ist nur, wenn man den Kinder sagt, dass es ein Baum ist und die Kinder kaufen es dann für die Eltern. . . 😀

    Ich frage mich, was die Intention des Kunstwerks ist? Reine Provokation? Will der Künstler die toleranz der Leute testen? Oder ihnen, wie Sie, einen Spiegel vorhalten?
    Ich weiss es nicht!

    1. Ok, ich gebe zu, die Ostheimer Tanne ist relativ weit weg, die ist doch merklich „spitzer“ und „flacher“. Tatsächlich hatte ich aber als Kind Holzspielzeug, das dem aufgeblasenen Objekt faszinierend ähnlich sah. Leider habe ich dazu keinen Link gefunden, kann sein, dass es das auch heute schlicht nicht mehr gibt. Deshalb die Ostheimer Tanne als Beispiel für ein entsprechend abstraktes Spielzeug.
      Und ja, es kann sein, dass der Künstler die Assoziation durchaus wollte. Doch in jedem Fall ist es ein abstraktes Objekt, was man darin sieht, ist primär eine Frage der eigenen Fantasie.
      Was diese dann hervorbringt, hat meist doch viel mit einem selbst zu tun 😉

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